Zuletzt aktualisiert am Montag, den 20. Juli 2020 um 15:33 Uhr

 

WIR FREUEN UNS SEHR, SIE UND IHRE KINDER WIEDER PERSÖNLICH IM KINDERSCHUTZZENTRUM BEGRÜSSEN ZU DÜRFEN!


Sie erreichen uns...

MO 10-12 & 16-18

DI  14-16

MI, DO  10-12 & 14-15

FR 10-12

oder per Email:  Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Um dies möglich zu machen, haben wir die Räumlichkeiten des Kinderschutzzentrums entsprechend umgestaltet.

Auch ist es notwendig, dass Sie sich genau an die Sicherheitsvorkehrungen halten, die Sie bitte unserem Info Blatt entnehmen   >>>

Zierleiste

 

Wir können Sie nur empfangen, wenn Sie vorab einen Termin mit einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter vereinbart haben.

Bitte erscheinen Sie dann pünktlich zum Termin!

Zierleiste

 

Die Möglichkeit von Beratungen über Telefon oder ZOOM  bleibt unterdessen natürlich aufrecht, wenn Sie dieses Angebot bevorzugen.

Zierleiste


 

Im CORONA-Logbuch notierten Anna Schwitzer und Holger Eich Gedanken und Berichte über unseren Alltag in der Isolation und die Zeit danach. Hier einige Artikel, die auch nach dem scheinbaren Abklingen der Pandemie und der Aufhebung der staatlichen Zwangsmaßnahmen noch interessant sind    >>>

 

Wien, 02.04.2020

„Anna, wie alt bist du eigentlich?“

Wir Erwachsene bemerken in dieser herausfordernden Zeit eine Vielzahl an unangenehmen Gefühlen. Wir sind besorgt, beunruhigt, verunsichert. Wie wird das alles weiter gehen? Wird jemand aus unserem Bekannten- oder Verwandtenkreis erkranken? Wie lange müssen wir uns noch isolieren? Wird alles immer noch schlimmer? Oder zeigen die Maßnahmen schnell genug Wirkung?

Wir Erwachsene können uns bei offenen Fragen selbst helfen, indem wir Zugang zu einer Vielzahl an Informationen haben. Das kann gut sein, oder auch nicht so gut, jedenfalls können wir in Phasen, in denen die Unsicherheit, die Besorgnis überwiegt, auf Informationssuche gehen, können uns anhand dieser Informationen im besten Fall beruhigen. Oder wir können uns Unterstützung von außen holen, mit Freund*innen telefonieren oder skypen oder uns im Krisenfall an eine Beratungsstelle wenden.

Kinder haben diese Freiheit nicht. Auch sie sind verunsichert, auch sie sind besorgt. Und sie sind auf die Informationen angewiesen, die wir ihnen zur Verfügung stellen. Nun kommt es dabei auch auf unsere Vorgehensweise an, wie und ob sich die Stimmungslage der Kinder und der Grad der Beängstigung verschlimmern oder beruhigen lassen.

Bei kleineren Kindern im Kindergartenalter erscheint mir das einfacher als bei größeren. Kinder im Schulalter begreifen schon mehr, sie bekommen auch inhaltlich einiges mit, was die Erwachsenen so beschäftigt. Vielleicht hören sie einzelne Nachrichten, von denen sie manches verstehen und ihnen somit auch das Ausmaß dieses Ausnahmezustandes klarer wird. Sie sind wissbegierig und fragen nach, wollen manches genauer erkunden. Und da enthalten wir ihnen dann auch nicht vor, was das Blöde an diesem Virus ist, was genau passieren kann, was die Folgen des Virus sein können. Und das beunruhigt vielleicht noch mehr.

Bei einem meiner letzten persönlichen Beratungskontakten beispielsweise war schon die Sorge meines 9-jährigen Klienten bezüglich des Corona-Virus spürbar. Es war unser Kennenlernen-Termin. Bereits im Wartebereich fragte er meine Kollegin, ob ich denn "neu" sei. Nein, meinte sie, ich sei nicht neu. Ob ich denn "alt" sei, fragte er darauf mit besorgtem Unterton. Nein, alt sei ich auch nicht. Das Thema schien ihn sehr zu beschäftigen. Im Gespräch erkundigte er sich bald danach, wie alt ich denn sei. Ich antwortete ihm wahrheitsgemäß: "37". Er schien erleichtert: "Gut, dann wirst du nicht sterben. Die Mama ist 38, die wird auch nicht sterben".

Manche Kinder haben nur begrenzte Informationen darüber, was da gerade los ist, und es gibt eventuell auch keine Kultur zuhause, die Eltern danach zu fragen. Diese fragmentarischen Informationen können verstörend sein, weiter verunsichern. Manche Kinder sind um so liebesbedürftiger, brauchen mehr Körperkontakt, möchten wieder bei Mama und Papa im Bett schlafen.

In Familien, in denen es ältere oder vulnerable Personen gibt, herrscht Sorge um diese.

Sind ein oder beide Elternteile in "versorgungswichtigen" Berufen tätig, kommt die ständige Angst der Kinder dazu, diese könnten sich anstecken und sie könnten sie verlieren. Eltern berichten mir von Albträumen ihrer Schulkinder, alle würden sterben.

Wie gehen Eltern am besten mit diesen Belastungen um, die auch ihre Kinder betrifft?

Ich denke, das wichtigste ist, unsere Panik – wenn vorhanden – nicht ungefiltert an die Kinder weiterzugeben. Sie müssen nicht verschiedene Worst-Case-Szenarien durchgespielt bekommen, diese spielen sich ja eh teilweise bereits in ihren Köpfen ab. Besser ist es, ihnen – trotz der großen Ungewissheit und auch Unsicherheit auf erwachsener Seite – das größtmögliche Gefühl an Sicherheit zu vermitteln.

Weiters wichtig finde ich es, mit den Kindern über den Virus und die Situation derzeit im Gespräch zu bleiben. Ihre Ängste, Besorgnis, Gefühlszustände anzusprechen, ernst zu nehmen, für sie da zu sein. Und zwar immer wieder. Wie auch in anderen Situationen sollten Eltern Interesse und Verständnis für die Gefühle ihrer Kinder zeigen. Diese fühlen sich dadurch ernst genommen und aufgehoben.

Elternteile können ihren Kindern auch ihre eigenen Gefühle mitteilen, ihnen vermitteln, dass auch sie verunsichert sind. Dass es nun eben eine schwierige Zeit ist, aber dass sie das zusammen schaffen werden. Wir können auf jeden Fall sicher sein, dass diese schwierige Phase irgendwann vorbei sein wird, dass dann unser Alltag wieder halbwegs normal sein wird, dass die Schule wieder beginnen wird, sie ihre Freund*innen wieder sehen werden. Im Moment müssen wir noch gemeinsam die Zähne zusammenbeißen, aber es wird vorbei gehen, so viel ist sicher.

Die äußere Situation können wir nicht verändern, aber den Kindern bestmöglich Unterstützung dabei geben, diese Situation gemeinsam mit uns auszuhalten, das können wir.

Anna Schwitzer

 

Wien, 28.03.2020

Für manche unserer Klient*innen hat sich gar nicht so viel geändert seit der "Corona-Krise"

Eine junge Erwachsene, Elisa, berichtet mir davon, dass sie diese Zeit sogar als entlastend erlebe. Bereits vorher hat sich ihr Leben vor allem in ihren vier Wänden abgespielt.

Sie war virtuell sehr vernetzt, persönliche Kontakte mit Gleichaltrigen fanden selten statt, und wenn, dann war das ein Wochenhighlight!

Diese Highlights fallen jetzt natürlich weg. Deshalb meint sie, habe sie auch mir weniger zu berichten als früher- jetzt bei unseren wöchentlichen Telefongesprächen. Gesprächsmaterial findet sich aber doch stets. Manches kann, so habe ich das Gefühl, sogar einfacher Thema werden, wenn wir uns nicht gegenüber sitzen, sondern jede in ihrem „Home-Office“, miteinander telefonierend.

Durch die nicht stattfindende Uni hat Elisa nicht mehr so sehr den Druck, ständig topvorbereitet sein zu müssen. Ihre Aufgaben erledigt sie pflichtbewusst, aber es bleibt ihr auch durch die wegfallenden Wege und Prüfungen mehr Zeit, ihren virtuellen Hobbies nachzugehen: sie schreibt gerne, hat einen Blog. Es fühle sich gut an, mehr Zeit zu haben für ihr Schreiben, meint sie, und nicht ständig ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, wenn sie stattdessen die Uni ihrem Gefühl nach „vernachlässigt“.

Natürlich sei es schade, dass sie niemanden treffen könne, aber das komme ja wieder.

Auch Elisas Eltern sind aufgrund von Arbeitslosigkeit zu Hause, aber das sei auch schon eine längere Zeit so, und deshalb fühlt es sich auch nicht anders an als vorher. Geld war auch schon vorher Mangelware, aber sie haben es immer irgendwie geschafft. Ihre Mutter sei zwar gestresster als sonst, auch was die Wirtschaftslage betrifft - aber solche Phasen kenne sie von ihr. Die Wohnung, in der sie leben, ist zwar nicht besonders groß, aber auch das sei sie gewohnt, das gehe schon irgendwie.

An Elisas Beispiel wird sichtbar, dass manche Situationen und Lebensumstände, die in "normalen" Zeiten für manche besorgniserregend, belastend, alarmierend waren, in Corona-Zeiten plötzlich alltäglich, gewöhnlich, erwünscht sind. Wenige Kontakte zu haben ist jetzt gut, virtuell vernetzt zu sein wichtig, etwas alleine mit sich anfangen zu wissen ideal.

Elisa lebt ein Leben, das im Moment genau so erwünscht ist. Wenn wieder Normalität Einzug in unseren Alltag nimmt, wird ihre Situation vielleicht wieder anders bewertet.

Es kommt eben immer auf den Bezugsrahmen an.

Anna Schwitzer

 

Wien, 27.03.2020

Einige von uns werden sich anstecken, mein Kind!

„Bleibt gesund!“ – das ist die Standard-Verabschiedung in diesen Zeiten – am Telefon, bei jedem Email, nach dem Chat.

„Bleibt gesund!“ - das ist auch gut so! Das ist rührend, es vermittelt aber einen falschen Eindruck: Nämlich, dass wir so etwas – gesund Bleiben - in der Hand hätten.

Nur oft genug Händewaschen und beim Einkaufen Abstand halten und zuhause bleiben. Alles richtig! Aber es wäre fatal zu vermitteln, dass nur jene krank würden, die sich an diese Regeln nicht hielten. Einige von uns werden trotzdem krank werden. Und sie sind nicht „selber schuld“!

Denn der einfache Blick auf alle Kurven von Fachleuten aller Art zeigt auch unmissverständlich eines – aus unserer jetzigen Sicht wird die Kurve auf jeden Fall erst einmal ansteigen - langsamer oder schneller, steiler oder flacher. So viel muss klar sein: es bleiben nicht alle gesund!

Alles ist hier in Wien so vorbereitet, dass wir uns darauf verlassen können, dass die Ansteckung kontrolliert ist und jenen, die dringend Hilfe brauchen, geholfen wird.

Aber – einige von uns werden infiziert werden. Und wir müssen mit unseren Kindern – neben allem Aufklären über Vorsichtsmaßnahmen – auch darüber sprechen, dass der Fall eintreten könnte, dass jemand aus dem Familien- oder Freund*innenkreis „positiv“ ist.

 

Was sagt man nun einem Kind hierzu?

Wieder versuchen wir zunächst einmal zu verstehen, wie Kinder Informationen verarbeiten und diese im eigenen Denken weiterspinnen. Und aus diesem Verstehen heraus abzuleiten, was das Nötigste ist, das man ansprechen sollte. Wieder gilt es zu vereinfachen!

Ich vernachlässige also Wahrscheinlichkeits-Berechnungen darüber, wie viele Infizierte statistisch nachweisbar symptomlos sind. Ja. ich weiß, dass es auch bei jungen  Patienten letale Verläufe gegeben hat. Und ja, ich habe von den Vorgängen in Bergamo gehört.

Wenn wir Kinder allerdings nur mit Horror-Informationen überfluten, produzieren wir nur Panik!

Vor allem, wenn es dann zum unerwünscht Unerwarteten kommt – dass eine oder einer der Erziehungsberechtigten positiv getestet wurde. Dann, wenn die Fantasie vom Tod und von norditalienischen Verhältnissen schon im Raum steht, ist es nämlich zu spät zu sagen: „Manchmal ist es übrigens doch gar nicht so schlimm!“

Noch einmal: was Familien jetzt brauchen ist nicht düstere Prophezeiung! Im Gegenteil - alles, was entspannt und das verengte Familienleben vielleicht sogar lustvoll macht, das ist jetzt gut!

 

Also einfache Botschaften für Kinder unter 10 Jahren:

  • Es kann sehr gut sein, dass jemand von uns den Corona-Virus bekommt.
  • Sie oder er hat dann Husten, Fieber (je nach Alter beschreiben Sie bitte die Symptome, die medizinische Fachleute als typisch nennen, und nicht zu viele…, und nicht ausgerechnet solche, die das Kind momentan vielleicht gerade hat – Schnupfen z. B.)
  • Wer den Corona-Virus bekommt, muss gar nicht krank werden. Es gibt viele, die haben den Virus, aber die haben gar keine Beschwerden. Das heißt: denen tut gar nichts weh. Die merken es gar nicht.
  • Dann gibt es einige, die sind angesteckt – die haben den Virus auch, aber die haben nun ein Paar Beschwerden. Es geht ihnen nicht gut, aber sie werden gesund, wenn sie zuhause bleiben, viel schlafen, Medizin nehmen und viel Obst essen (zählen Sie einfach alles auf, was Ihrem Kind vertraut ist - was Sie machen, wenn Ihr Kind z. B. eine Grippe hat!).
  • Für uns alle ist es gut, wenn wir mit denen, sie sich angesteckt haben, für eine Zeitlang (14 x schlafen?) nicht zusammenkommen. Dann werden die schneller gesund, und andere bekommen den Virus nicht. Das ist doof, aber das ist für uns alle besser so!
  • Bei einigen ist es schlimmer! – Die müssen ins Krankenhaus. Da helfen ihnen sehr mutige Krankenschwestern und Pfleger, Ärztinnen und Ärzte und Zivildiener, damit sie bald wieder gesund werden.
  • Und die Super-Nachricht ist die: Wenn die, die krank gewesen sind, dann wieder gesund sind – dann können sie auch nicht wieder krank werden! Und dann könnten die auch anderen, die sich gerade angesteckt haben, helfen. Weil sie ja nicht mehr krank werden können!
  • Ja - und wenn es mal so ist, dass wir eine oder einen, den wir lieb haben, nicht mehr sehen, umarmen, knuddeln und trösten dürfen? Mit denen würden wir dann telefonieren, uns auf What`s app sehen - und vielleicht auch mal wieder einen Brief schreiben. Oder eine Postkarte.


Und wenn Ihr Kind dann fragt, was das ist? Eine Postkarte? – Dann haben Sie ja wieder etwas zu tun, wenn Sie sich in der häuslichen Quarantäne langweilen!

Holger Eich

 

Mehr aus unserem CORONA-Logbuch finden Sie hier  >>>

 

Zierleiste

 

Sie wollen spenden?

 

Zierleiste