Blog vom 06.08.2014: Körperliche Gewalt - am meisten sind 1-3Jährige gefährdet

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Holger Eich

Körperliche Gewalt gegen Kinder - am meisten sind 1-3-Jährige gefährdet (Blog vom 06.08.2014)

Gerade die Schwächsten werden am häufigsten Opfer von Gewalt. In ihrer Wut greifen Eltern von Kindern zwischen 1 und 3 Jahren häufiger zu Gewalt als Eltern älterer Kinder.

Klepp et al. untersuchten im Jahre 2008 den Zusammenhang von persönlichen Ansprüchen, dem Erleben von Wut und Überforderung in der Erziehung und der Anwendung von Gewalt gegen Kinder. Ihre Befragung von 1.875 österreichischen Eltern (87 % Mütter, 13 % Väter) zeigte, dass Eltern auf die Frage, welche „Sanktionsmittel“ sie anwenden, die Antworten: „Ich habe das Kind fest angefasst“ und „Ich habe dem Kind einen Klaps gegeben“ bei Kindern im Alter von 1-3 deutlich häufiger genannt werden als von Eltern mit älteren Kindern (Angaben im Diagramm: Altersgruppen / Mittelwert).


Ein Faktor für diese Häufung von Gewalt gegen besonders kleine Kinder ist, dass in diesem Alter die Eltern am häufigsten Wutgefühle entwickeln: “Ein- bis dreijährige Kinder erleben am ehesten physische Gewalt, während ab der Altersgruppe der Vier- bis Sechsjährigen verstärkt mittels Verboten und Drohungen gestraft wird. Ab dem elften Lebensjahr sinkt das Ausmaß sanktionierender Verhaltensweisen ab“ (Klepp et al, 2008., S. 72 f).

Diese Befunde belegen einmal mehr die Bedeutung von Prävention und Frühen Hilfen für belastete Eltern kleiner Kinder – zumal Gewalt gegen Kinder diesen Alters weder in Kindergärten noch anderen Betreuungsinstitutionen auffallen wird und die Kinder ohne Hilfen sich selbst überlassen bleiben.


Originalartikel:


Klepp D, Buchebner-Ferstl S, Kaindl M & Kinn M (2008). Eltern zwischen  Anspruch und Überforderung. Eine psychosoziale Studie zu Erziehungswerten und –verhalten von Eltern unter dem Aspekt ihrer Lebensbedingungen und des subjektiven Befindens. Wien: Österreichisches Institut für Familienforschung der Universität Wien.

http://www.eltern-bildung.at/fileadmin/user_upload/Downloads/erziehungsstudie_2008.pdf

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