Blog vom 31.03.2015 : Sexuelle Übergriffe im Sport

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Anna Schwitzer.

Sexuelle Übergriffe im Sport

Im Falter der vorigen Woche wird auf ein tabuisiertes Thema gut recherchiert eingegangen: sexuelle  Übergriffe im Sport. Selten werden solche Vorfälle in Sportvereinen öffentlich gemacht, selten liest man von Verfahren gegen TrainerInnen.

 

Der Falter führt 2 Vorfälle 2009 und 2010 an, die in den Medien öffentlich wurden und einmal eine Frau und einmal einen Mann als übergriffige TrainerInnen betreffen. Die Internet-Recherche nach solchen Vorfällen und gerichtlichen Konsequenzen bringt wenige Ergebnisse, zuletzt einen Freispruch im Dezember 2014 für einen Wintersporttrainer in Salzburg, der, was er zugibt, an einem 14- und einem 16-jährigen Burschen sexuell übergriffig war.


Trotzdem sind sexuelle Übergriffe in Sportvereinen keine Seltenheit, wie auch wir im Kinderschutzzentrum immer wieder mit dem Thema befasst sind. Die Schwierigkeiten, warum sexuelle Grenzüberschreitungen in Sportvereinen nicht einfach öffentlich gemacht werden können, ähneln denen in einem Familienverband und sind vielfältig. Einerseits vertrauen nicht nur die Kinder und Jugendlichen, sondern auch deren Eltern dem Trainer, mit dem sie oftmals viel Zeit verbringen. Außerdem ist der Trainer/die Trainerin eine Respektsperson, eine Autoritätsperson, der sich die jungen SportlerInnen nicht leicht widersetzen können und wollen. Gleichzeitig verschwimmen im Sport leicht die Grenzen zwischen noch angebrachtem Körperkontakt und ´normalen´ Berührungen (der Körper als „Sportgerät“) und schon unbehaglichen Überschreitungen der Grenze der Kinder und Jugendlichen.


Auch interessant finde ich diesbezüglich das Thema Sexualität im Sport im Allgemeinen. Gerade bei Sportarten, die männerdominiert sind, sogenannten „Männersportarten“, ist in meiner Wahrnehmung das Thema Sexualität sehr tabuisiert. Machosprüche dürfen sein, aber über „nicht normale“ Arten der Sexualität wie Homosexualität darf ja nicht gesprochen werden. Sich als Fußballer zu outen kommt einem Karriereende gleich – zumindest ist die Angst diesbezüglich groß, sonst gäbe es schon „offiziell“ schwule Fußballer. Diese Tabuisierung der Sexualität im Sport könnte es Betroffenen von sexueller Gewalt noch schwerer machen, laut Nein zu sagen, die Übergriffe öffentlich zu machen.

 

Traut sich ein/e Sportler/in doch, Übergriffe zu melden, kann es wie auch in Familien passieren, dass ihr oder ihm nicht geglaubt wird, dass das dem Trainer/der Trainerin nicht zugetraut wird, dass „der/die doch sowas nicht macht“. Ist ein Verein mit Verdachtsmomenten zu sexuellen Grenzverletzungen konfrontiert, ist es wie auch bei Familien wichtig, sich Hilfe zu holen, sich mit professioneller Unterstützung die nächsten Schritte zu überlegen und nicht voreilig zu handeln. Kurzschlussreaktionen nach Bekanntwerden von sexuellem Missbrauch sind meist für alle Beteiligten wenig hilfreich.

 

Und was nicht vergessen werden darf: Sich in Sportvereine einzuschleichen ist eine der einfachsten Strategien von Tätern, um an Kinder „ranzukommen“. Deshalb heißt es wachsam sein und die Worte von Kindern ernstzunehmen.

 

Originalartikel:

Falter 12/15: Sexueller Missbrauch im Sport

http://www.krone.at/Sport/Sexueller_Missbrauch_Ex-Trainer_freigesprochen-Prozess_in_Salzburg-Story-430942

 

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