Blog vom 24.04.2015: Die Ringe des Schweigens

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Anna Schwitzer.

© Kinderschutzzentrum Wien. 24. April 2015.

„Die Ringe des Schweigens“ – ein Bericht über die Gewalt im Benediktinerstift Kremsmünster

Im Jahr 2010 sah sich das Benediktinerstift Kremsmünster mit zahlreichen Vorwürfen von massiven sexuellen, physischen und psychischen Misshandlungen in der Zeit nach 1950 konfrontiert.

Nachdem das Institut für Praxisforschung und Projektberatung im Benediktinerstift Ettal bereits ähnliche Forschungsfragen behandelte, wurde es vom Abt von Kremsmünster beauftragt, auch dort eine Studie zu den Missbrauchs- und Misshandlungsfällen durchzuführen. Der Schwerpunkt der Untersuchung bezog sich auf die Zeit von 1970 bis 2010.


Im Rahmen der Studie wurden qualitative Interviews durchgeführt und schriftliche Unterlagen wie Gerichtsakte, Jahresberichte, Briefe, Emails, Medienberichte usw. aufgearbeitet. InterviewpartnerInnen waren 39 sog. Altschüler (von denen circa ¾ Betroffene waren), 16 Klosterangehörige und 2 weltliche Angestellte des Klosters (unter ihnen auch Beschuldigte), 5 Angehörige und 2 ExpertInnen (Gerichtsgutachterin und Ombudsleute der Diözese Linz). Insgesamt wurden 302 Berichte von 94 Zeugen zu sexuellen, physischen und psychischen Misshandlungen analysiert, die 24 Beschuldigte betrafen. Neben dem Hauptbeschuldigten wurde 7 weiteren Männern sexueller Missbrauch vorgeworfen. 2/3 der Vorwürfe betrafen nicht den Hauptbeschuldigten, sondern andere Patres/Lehrer, was gegen die anfangs aufgekommene Einzeltäterhypothese spricht. Vielmehr kann von institutioneller Gewalt gesprochen werden, die durch unterschiedliche Rahmenbedingungen möglich gemacht wurde.


Diese Bedingungen wurden analysiert und zeigen interessante Zusammenhänge:


Einerseits vertritt das Stift als kirchliche Institution ein über die Jahrhunderte gewachsenes Rechts- und Handlungssystem, das eigenständig werkt und wirkt. Der Ruf des Stifts war ein guter, Eltern und Kinder waren stolz darauf, dass die Sprösslinge dort sozialisiert werden. Das Stift pflegte und verteidigte dieses positive Bild von sich nach außen und nach innen („institutioneller Narzissmus“), Fehlentwicklungen wurden übersehen oder vertuscht. Gleichzeitig herrschte ein Eliteanspruch, der Druck nach innen machte, das Angstniveau der Schüler steigerte und die Macht des Personals verstärkte. Das Personal, also geistliche und weltliche Lehrer oder Erzieher, waren jedoch gleichzeitig völlig unzureichend ausgebildet und nicht pädagogisch geschult. Vielmehr wurde davon ausgegangen, dass Personen, die sich der katholischen Kirche verschrieben hatten, wohl auch von sich aus das Handwerkszeug hätten, Kinder zu guten Menschen zu erziehen. Diese falsche Vorannahme führte zu Überforderung, die einerseits als solches zu Gewalthandlungen führte, andererseits auch bewirkte, dass sich die Lehrpersonen an fragwürdigen Vorbildern und/oder an ihren früheren Erfahrungen von Erziehung und Pädagogik orientierten und bereits überholte Erziehungsweisen anwendeten (die meisten beschuldigten Personen waren früher selbst Schüler in Kremsmünster gewesen).

Die „monastische Lebensform“ macht es weiter schwer, sich offen über Schwierigkeiten auszutauschen und isoliert die Patres eher voneinander als den Grundbedürfnissen nach Kommunikation, Freundschaft, Nähe und Geborgenheit gerecht zu werden. Überhaupt mangelte es an Kommunikation in der Institution, die einzelnen Teilbereiche des Stifts existierten parallel und voneinander abgekapselt. Die Letztverantwortung über Kloster und Internat hatte der Abt, was auch oftmals zu Überforderungssituationen für diesen geführt haben muss und dann auch „Zonen der institutionellen Verantwortungslosigkeit“ entstehen lässt. Das in der katholischen Kirche und auch im Stift Kremsmünster tabuisierte Thema der Sexualität erschwerte es, sich als Angestellter damit auseinanderzusetzen und als Schüler Grenzverletzungen zu thematisieren. Das große Vertrauen der Eltern in das Stift machten es den Schülern umso schwieriger, Verfehlungen und Übergriffe anzusprechen und überließ sie ihrem Schicksal ohne Möglichkeit der Öffentlichmachung.


Das Institut für Praxisforschung und Projektberatung bezeichnet die wirksam gewordenen Mechanismen im Stift als „Ringe des Schweigens“. Ein betroffener Schüler hätte zahlreiche Hürden überwinden müssen, um die Misshandlungen und/oder den Missbrauch öffentlich zu machen. Einerseits waren sie massiv verwirrt darüber, was ihnen wiederfahren war. Sie hatten, auch aufgrund der tabuisierten Sexualität, keine Worte dafür, was sie erlebt hatten. Das diffuse Gefühl der Scham mischte sich zu Gefühlen der Angst über die Konsequenzen einer Öffentlichmachung. Sie hatten Angst davor, sich zu blamieren und ausgegrenzt zu werden, außerdem tabuisierten sie die vorgefallenen Ereignisse. Ihren Eltern wollten sie nicht mit dem Vorgefallenen zur Last fallen, vielmehr wollten sie die geringe gemeinsame Zeit in positiver Stimmung verbringen.


Die Eltern waren überzeugt davon, mit einer katholischen Erziehung für ihre Kinder im Stift nur das Richtige zu machen und konnten sich absolut nicht vorstellen, dass genau dort ihren Kindern solch unrechte und unmoralische Dinge angetan werden. Die oft indirekten Hinweise der Kinder an ihre Eltern wie Verhaltensauffälligkeiten, psychosomatische Symptome usw. wurden übergangen, übersehen oder anders erklärt. In der damaligen Zeit war das Wissen über Deutungsmöglichkeiten veränderter Verhaltensweisen deutlich geringer, die Eltern nicht sehr sensibel dafür. Gab es Vermutungen kamen noch die Hürde des Schams hinzu, die Angst Tabus zu brechen und gleichzeitig auch Schuldgefühle.

Auch die Patres hätten Hürden überwinden müssen, wenn sie Misshandlungen und Missbrauch öffentlich gemacht hätten. Dass Sexualität und Gewalt tabuisierte Themen und die Kommunikation innerhalb der Institution erschwert waren, hat es unmöglich gemacht, über Vermutungen oder Beobachtungen miteinander zu sprechen. Eine Vielzahl der Patres hatten weiters wenig Ahnung von kindlichen Bedürfnissen, ihren Entwicklungsprozessen und Fürsorglichkeit. Auch die hierarchische Ordnung und der Glaube an die Autorität der Vorgesetzten haben viele eingeschüchtert.


Diese drei „Ringe des Schweigens“ waren in den institutionellen Ring eingebettet, der es noch weiter erschwert hat, die Verfehlungen öffentlich zu machen. Beim sogenannten „hierarchischen Vertuschen“ handelt es sich um die Tatsache, dass die wichtigen Personen im Stift stets bemüht waren, den Kreis der Mitwissenden so klein wie möglich und dies nur auf der Leitungsebene  zu halten. Das Interesse der Institution war es, keinen Skandal zu produzieren, Fehlverhalten zu vertuschen und wenn überhaupt, selbst Konsequenzen zu verhängen. Erst sehr spät wurde den Verantwortlichen klar, dass sexueller Missbrauch immer der staatlichen Exekutive zu überlassen ist.

Originalartikel:

Schweigen. Aufdeckung. Aufarbeitung - Sexualisierte, psychische und physische Gewalt in Konvikt und Gymnasium des Benediktinerstifts Kremsmünster:
https://stiftkremsmuenster.files.wordpress.com/2015/03/bericht-kremsmuenster-ipp-issn-1614-3159-nr-11.pdf

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