Blog vom 19.04.2017_Bullying und Mobbing - Schattenseiten im Leben der Jugend von heute

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Holger Eich

"Bullying" und Mobbing - Schattenseiten im Leben der "Jugend von heute"

18.7% der deutschen Jugendlichen erleben in der Schule körperliche oder seelische Gewalt („Bullying“), 15.7 % werden gemobbt. Die Schule ist damit einer der Orte, an dem Kinder und Jugendliche am häufigsten Gewalterfahrungen machen müssen - durch andere SchülerInnen ebenso wie durch LehrerInnen. Auch in Österreich ist die Schule ein gefährliches Pflaster für Kinder.

Im letzten Blog haben wir über die Zunahme von emotionaler Misshandlung in der jetzigen Jugendgeneration berichtet. Doch findet so etwas nur „zu Hause“ statt? Emotionale Misshandlung beinhaltet auch Erfahrungen von Mobbing und ist Teil des sog. „Bullying“, das als „Anwendung von Gewalt, Drohung oder Zwang, um andere zu missbrauchen, einzuschüchtern oder aggressiv zu dominieren“ definiert wird.

Die als „PISA“-Studie bekannte Untersuchungsreihe der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD), die mehr als 500.000 SchülerInnen verschiedenster Nationen im Drei-Jahres-Rhythmus untersucht, berichtet nicht nur über Leistungsergebnisse, sondern auch über die sozialen Erfahrungen der Jugendlichen im Schulalltag.

Die OECD publizierte gestern Teilergebnisse ihrer Umfragen aus dem Jahr 2015 von SchülerInnen in Deutschland: Demnach berichten 18.7% über körperliche oder seelische Misshandlung durch Schüler, 15.7 % sind Opfer von Mobbing in der Schule – mehrmals in einem Monat (s. Tab. 1).

Tab. 1. Gewalterfahrungen deutscher Schüler. OECD, 2017.

 

Die aktuelle Studie beschreibt einen Geschlechterunterschied, der für das weltweite Sample gilt:

"Für Mädchen ist es weniger wahrscheinlich als für Jungens, dass sie Opfer körperlicher Aggressionen, 
aber wahrscheinlicher, dass sie Objekt übler Gerüchte werden" (Übers. HE). 1

Die Detailergebnisse aus Österreich sind bis dato noch nicht publiziert worden.

Allerdings liegt eine ähnliche Studie vor, die 2016 veröffentlicht worden ist und die auch einen Ländervergleich erlaubt - die WHO-Studie mit Umfrage-Ergebnissen von 2013 und 2014:

Österreichische Kinder sind hier in enorm hohem Ausmaß betroffen! Jeder 5. elfjährige Bub berichtet darüber, in den letzten Monaten mindestens 2mal Opfer von Bullying gewesen zu sein (20%) und gut jedes 8. Mädchen (12 %). Bei den 13-Jährigen steigt der Anteil der Mädchen (17%), bei den Burschen bleibt er fast gleich (21%). Wenn die Jugendlichen 15 werden, scheint das Phänomen – in allen untersuchten Ländern – abzunehmen (für Österreich berichten 8 % der Mädchen und 12 % der Burschen Opfer geworden zu sein).

Abb. 1. Gewalterfahrungen 11-, 13- und 15-Jähriger im Ländervergleich ("mindestens 2- oder 3mal in eiinem Monat in den letzten Monaten") Differenziert nach Mädchen (rot) und Jungens (blau).

Der Vergleich mit 41 anderen Ländern zeigt Österreichische Kinder – nach jenen in baltischen Ländern – im „Spitzenfeld“ der Betroffenheit. Positives „Schlusslicht“ ist übrigens bei den jungen Kindern Armenien, wo nur 1-4% der Kinder von Opfererfahrungen berichten. Abb. 1. zeigt im Vergleich die Erfahrungen von Mädchen und Jungens aus Österreich, Deutschland und Schweden: In Deutschland sind nur rund halb so viele Burschen von Bullying betroffen, in Schweden nur 4 %. Hier überwiegen interessanterweise als Opfer sogar die Mädchen – allerdings auf niedrigem Level.

Diese Zahlen erlauben den Schluss, dass die Institution Schule, besonders für Kinder zwischen 11 und 13 Jahren, in Österreich ein sehr gefährliches Pflaster ist!

Umso wichtiger ist es dann, dass Eltern ihren Kindern als Gesprächs- und Vertrauenspartner zur Verfügung und hilfreich zur Seite stehen. Oft weiß man aber nicht, wie man mit einem Kind bei solchen Erfahrungen umgehen soll – wie weit man sie schützen und behüten muss, und was man ihnen aber auch zumuten kann. Unterstützung in solch schweren Erziehungssituationen gibt es bei uns im Kinderschutzzentrum.

 

Quellen:

OECD (2017) PISA 2015 Results (Volume III): Students' Well-Being, OECD Publishing, Paris.

WHO (2016). Health Behavior in School-Aged Children HBSC Study: Growing up unequal: gender and socioeconomic differences in young people’s health and well-being. http://www.euro.who.int/__data/assets/pdf_file/0003/303438/HSBC-No.7-Growing-up-unequal-Full-Report.pdf  S. 200 ff

 

1 http://www.oecd.org/newsroom/most-teenagers-happy-with-their-lives-but-schoolwork-anxiety-and-bullying-an-issue.htm

 

 

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