Was ist Kinderpornografie?

Was ist „Kinderpornografie“?

 

Die Herstellung, der Verkauf, das Angebot und Vorführen von Kinderpornografie ist in Österreich verboten und kann mit schweren Freiheitsstrafen geahndet werden. Auch wem solche Materialien besitzt, sich solche beschafft oder wissentlich im Internet darauf zugreift, droht Strafe bis zu zwei Jahren Haft. Aber woran erkennt man Kinderpornografie?


Grundsätzlich versteht man unter  Pornografie Material, in dem Nacktheit oder erotisches Verhalten „reißerisch verzerrt, auf sich selbst reduziert und von anderen Lebensäußerungen losgelöst“ zum Zweck der sexuellen Erregung des Betrachters dargestellt werden. Die Abgrenzung zwischen erotischen Darstellungen, Kunst und Aufklärung ist dabei nicht immer leicht. Wenn allerdings Kinder in explizit sexuellen Handlungen oder Posen dargestellt werden, gibt es strenge strafrechtliche Bestimmungen, die im § 207a des Strafgesetzbuches geregelt werden.


Der Gesetzgeber spricht einerseits von „unmündigen Personen“ (das sind Kinder unter 14 Jahre) und dann von „mündigen Minderjährigen“ (das sind Jugendliche von 14 bis 17). Wenn man 18 ist, ist man erwachsen. Pornografische Fotos, Videos etc., mit Personen, die mindestens 18 Jahre alt sind, sind legal. In üblichen, legalen Internetseiten wird daher Wert darauf gelegt, dass diese Altersgrenze eingehalten wird und garantiert, dass die Darsteller volljährig sind („18+“-Videos).


Grundsätzlich ist natürlich auf einem Foto nicht klar erkennbar, wie alt die abgebildeten Personen wirklich sind. Daher spricht der Gesetzgeber davon, dass es genügt, wenn bei der Betrachtung „nach den Umständen der Eindruck vermittelt“ wird, es handele sich um unmündige Personen.
Zudem muss es sich nicht um das Abbilden eines realen sexuellen Missbrauchs handeln.

Vielmehr ist es hinreichend, wenn hier „wirklichkeitsnah“ eine sexuelle Handlung mit einer Person, die jünger als 14 wirkt, die diese mit einer anderen Person, an sich selbst oder mit einem Tier ausführt, dargestellt bzw. angedeutet wird. Auch Fotocollagen, die echt wirken, oder besonders realitätsnahe Cartoons erfüllen gegebenenfalls diese Bedingung (s. § 207a. (4) Z 4). So kann also auch Material strafbar sein, bei dessen Herstellung kein Kind real geschädigt worden ist. Bei 14-17-Jährigen müssen diese „wirklichkeitsnahe(n) Abbildunge(n)“, darüber hinaus explizit pornografisch sein (s. § 207a. (4) Z 3b.).

Inwieweit Nacktbilder, die keine sexuellen Handlungen zeigen, unter den Paragrafen fallen, ist deutlich schwieriger zu beurteilen. So wären Fotos, auf denen die Genitalien einer Jugendlichen über 14 Jahren zu sehen sind, nur dann strafbar, wenn diese die Pornografie-Definition erfüllt.

Das Herstellen und Besitzen von privaten erotischen oder pornografischen Fotos oder Filmen – quasi „für den Hausgebrauch“ – mit Personen ab 14 ist als solches nicht strafbar, wenn diese freiwillig produziert worden sind und lediglich zum eigenen Betrachten gedacht sind. Strafbar ist aber, wenn man eine unter diesen Bedingungen hergestellte Aufnahme Dritten zeigt oder gar (z. B. im Internet oder Foren) öffentlich verbreitet.

 

 

 

Originaltext der Gesetzesbestimmung (Abruf 02.03.2017):

Pornographische Darstellungen Minderjähriger

Pornographische Darstellungen Minderjähriger
§ 207a. (1) Wer eine pornographische Darstellung einer minderjährigen Person (Abs. 4)
1.    herstellt oder
2.    einem anderen anbietet, verschafft, überlässt, vorführt oder sonst zugänglich macht,
ist mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren zu bestrafen.

(2) Mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren ist zu bestrafen, wer eine pornographische Darstellung einer minderjährigen Person (Abs. 4) zum Zweck der Verbreitung herstellt, einführt, befördert oder ausführt oder eine Tat nach Abs. 1 gewerbsmäßig begeht. Mit Freiheitsstrafe von einem bis zu zehn Jahren ist zu bestrafen, wer die Tat als Mitglied einer kriminellen Vereinigung oder so begeht, dass sie einen besonders schweren Nachteil der minderjährigen Person zur Folge hat; ebenso ist zu bestrafen, wer eine pornographische Darstellung einer minderjährigen Person (Abs. 4) unter Anwendung schwerer Gewalt herstellt oder bei der Herstellung das Leben der dargestellten minderjährigen Person vorsätzlich oder grob fahrlässig (§ 6 Abs. 3) gefährdet.

(3) Wer sich eine pornographische Darstellung einer mündigen minderjährigen Person (Abs. 4 Z 3 und 4) verschafft oder eine solche besitzt, ist mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bis zu 720 Tagessätzen zu bestrafen. Mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren ist zu bestrafen, wer sich eine pornographische Darstellung einer unmündigen Person (Abs. 4) verschafft oder eine solche besitzt.

(3a) Nach Abs. 3 wird auch bestraft, wer im Internet wissentlich auf eine pornographische Darstellung Minderjähriger zugreift.

(4) Pornographische Darstellungen Minderjähriger sind
1.    wirklichkeitsnahe Abbildungen einer geschlechtlichen Handlung an einer unmündigen Person oder einer unmündigen Person an sich selbst, an einer anderen Person oder mit einem Tier,
2.    wirklichkeitsnahe Abbildungen eines Geschehens mit einer unmündigen Person, dessen Betrachtung nach den Umständen den Eindruck vermittelt, dass es sich dabei um eine geschlechtliche Handlung an der unmündigen Person oder der unmündigen Person an sich selbst, an einer anderen Person oder mit einem Tier handelt,
3.    wirklichkeitsnahe Abbildungen
a)    einer geschlechtlichen Handlung im Sinne der Z 1 oder eines Geschehens im Sinne der Z 2, jedoch mit mündigen Minderjährigen, oder
b)    der Genitalien oder der Schamgegend Minderjähriger,
soweit es sich um reißerisch verzerrte, auf sich selbst reduzierte und von anderen Lebensäußerungen losgelöste Abbildungen handelt, die der sexuellen Erregung des Betrachters dienen;
4.    bildliche Darstellungen, deren Betrachtung   zufolge Veränderung einer Abbildung oder ohne Verwendung einer solchen   nach den Umständen den Eindruck vermittelt, es handle sich um eine Abbildung nach den Z 1 bis 3.

(5) Nach Abs. 1 und Abs. 3 ist nicht zu bestrafen, wer
1.    eine pornographische Darstellung einer mündigen minderjährigen Person mit deren Einwilligung und zu deren oder seinem eigenen Gebrauch herstellt oder besitzt,
1a.    eine pornographische Darstellung einer mündigen minderjährigen Person von sich selbst herstellt, besitzt, oder einem anderen zu dessen eigenen Gebrauch anbietet, verschafft, überlässt, vorführt oder sonst zugänglich macht oder
2.    eine pornographische Darstellung einer mündigen minderjährigen Person nach Abs. 4 Z 4 zu seinem eigenen Gebrauch herstellt oder besitzt, sofern mit der Tat keine Gefahr der Verbreitung der Darstellung verbunden ist.


Quelle: http://www.ris.bka.gv.at/